OSB oder Multiplex? Spanplatte, MDF und Sperrholz im Vergleich
Aktualisiert am
Aufbau, Tragfähigkeit, Feuchte und Kanten der gängigen Holzplatten, dazu P-Klassen, OSB/3, Sperrholzverleimung und Emissionsklasse E1 und eine Wahlhilfe für Regal, Werkbank und Boden.
Werbung: Links zu Amazon auf dieser Seite sind Affiliate-Links. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen. Für Sie ändert sich der Preis nicht.
Die vier Platten im Überblick
Holzplatten entstehen aus Spänen, Fasern, Strands oder Furnieren, die mit Bindemitteln verpresst werden. Das Bindemittel bestimmt, wie viel Feuchte die Platte verträgt. Über 90 Prozent der europäischen Spanplatten, MDF und OSB werden mit Harnstoff-Formaldehyd-Harzen verleimt; für feuchte Bereiche kommen phenol- und melaminverstärkte Harze zum Einsatz.
| Platte | Aufbau | Stärken | Schwächen | Typische Nutzung |
|---|---|---|---|---|
| Spanplatte (EN 312) | gepresste Holzspäne, feinere Späne außen | günstig, glatte Fläche, beschichtbar | poröse Kanten, schwer, quillt bei Nässe | Möbel, Regale, Innenausbau |
| MDF (EN 622) | feine Holzfasern, gleichmäßig dicht | glatt, fräsbar, lackierbar | schwer, schraubt sich schlecht, Kanten empfindlich | Möbelfronten, Verkleidungen, Leisten |
| OSB (EN 300) | lange Holzspäne (Strands) in drei Lagen | steif, tragend, feuchtebeständig (OSB/3) | raue Oberfläche, nicht dauerhaft wasserfest | Verlegeplatte, Werkstatt, Regale unsichtbar |
| Sperrholz/Multiplex (EN 636) | kreuzweise verleimte Furniere | fest, formstabil, schöne Kante, schraubt gut | deutlich teurer | Werkbankplatte, Möbel, Böden, Treppen |
Multiplex bezeichnet Sperrholz ab etwa 12 mm Dicke mit mindestens fünf kreuzweise verleimten Lagen. Spanplatte hat eine Dichte um 660 kg/m³, OSB etwa 600 bis 700 kg/m³. Eine Platte 1250 × 2500 mm in 18 mm wiegt damit rechnerisch rund 37 kg.
Feuchte: P-Klassen, OSB/3 und Verleimung
Wasserfest wird eine Platte durch die Verleimung, nicht durch das Holz. Für feuchte Bereiche nennt der Ratgeber sanier.de bei Spanplatten die Typen P3, P5 und P7, bei OSB die Klassen OSB/3 und OSB/4. P3 gilt für nicht tragende Teile, P5 und P7 für tragende, wobei P7 hochbelastbar ist. OSB/3 und OSB/4 sind feuchtebeständig, aber nicht dauerhaft wasserfest. Ältere Kataloge nennen für feuchtebeständig verleimte Spanplatten noch die Bezeichnung V100; maßgeblich ist die Angabe nach EN 312.
Bei Sperrholz unterscheidet EN 636 drei Einsatzbereiche: Teil 1 für den Trockenbereich, Teil 2 für den Feuchtbereich mit zeitweise erhöhter Luftfeuchte und Teil 3 für den Außenbereich mit konstruktivem Schutz. Die Kleberklassen helfen bei der Auswahl: IF67 für Feuchträume im Innenbereich wie das Bad, A100 für den wettergeschützten Außenbereich und AW100 für den gesamten Außenbereich. Siebdruckplatten haben beidseitig eine Phenolharzbeschichtung und sind deshalb auch an der Oberfläche wasserfest.
Festigkeit, Schrauben und Kanten
Für tragende Zwecke zählen Steifigkeit und Schraubenhalt. OSB und Sperrholz haben durch Lagenaufbau und lange Fasern eine höhere Festigkeit als Spanplatte und MDF. In der Plattenfläche halten Spanplattenschrauben in Spanplatte und OSB gut; in der Schmalseite von Spanplatte und MDF halten Schrauben schlecht, weil die Späne nur lose verbunden sind. Dort helfen Dübel, Verbinder oder Kantenholz. Sperrholz und Multiplex lassen sich auch an der Kante verschrauben, wenn Sie vorbohren. Vorbohren empfiehlt sich bei MDF, OSB, Sperrholz und Multiplex ohnehin, damit nichts aufspaltet.
Die Kanten unterscheiden sich im Aussehen: Spanplatte und MDF haben offene, graue Kanten, die meist umleimt oder überlackiert werden. OSB zeigt die Strands. Multiplex bietet eine sichtbare Schichtkante, die Möbelbauer bewusst als Gestaltung nutzen. Für die Verbindung zweier Teile gibt der Ratgeber Holzverbindungen einen Überblick.
Emissionsklasse E1 und Formaldehyd
In Deutschland gilt für Holzwerkstoffe der Grenzwert der Chemikalien-Verbotsverordnung: 0,1 ppm Formaldehyd, entsprechend 124 µg/m³ in der Prüfkammer. Gemessen wird heute nach DIN EN 16516; Ergebnisse nach der älteren EN 717-1 werden mit dem Faktor 2,0 umgerechnet. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Produkte, die den Grenzwert einhalten, bei großflächigem Einsatz den Innenraumrichtwert dennoch überschreiten können. Kaufen Sie bei großen Flächen, etwa einem Wandschrank, Platten mit Hinweis auf geringe Emission. Lüften hilft bei neuen Möbeln.
Welche Platte für welchen Zweck?
| Vorhaben | Geeignet | Hinweis |
|---|---|---|
| Regalboden, Schrank (trocken) | beschichtete Spanplatte P2, Leimholz, Multiplex | Spannweite beachten; dünne Spanplatten hängen durch |
| Werkbankplatte | Multiplex 21–27 mm, Leimholz | Spanplatte nur als Notlösung |
| Unsichtbares Regal in Keller oder Garage | OSB/3 18 mm | Kanten versiegeln |
| Bodenverlegeplatte, Spitzboden | OSB/3 Nut und Feder oder Spanplatte P5 | für tragende Anwendung die vorgesehene Klasse wählen |
| Küche, Bad (feuchte Räume) | Spanplatte P5, Sperrholz IF67, MDF feuchtefest | Kanten abdichten, nicht in Spritzwasser stellen |
| Fräsen, lackierte Fronten | MDF | mit Absaugung und Maske fräsen |
| Außen, bewittert | Siebdruckplatte, Sperrholz AW100 | Kanten schützen, nie auf nassen Boden stellen |
Zur Auswahl von Holz für das Gestell dient der Ratgeber Holzarten für Heimwerker. Wie Sie eine Werkbankplatte einsetzen, zeigt das Projekt Werkbank selber bauen.
Kauf, Zuschnitt und Staub
Die Standardplatte misst 1250 × 2500 mm, typische Stärken liegen bei 9 bis 25 mm. Das passt kaum in einen Pkw. Viele Baumärkte sägen gegen Gebühr zu; messen Sie deshalb vorher genau und geben Sie 2 bis 3 mm Zugabe pro Schnitt für das Sägeblatt an. Beim Sägen, Fräsen und Schleifen von Holzwerkstoffen entsteht Feinstaub. Schließen Sie Maschinen an einen Entstauber der Staubklasse M an, kehren Sie nicht trocken und tragen Sie bei unzureichender Absaugung mindestens eine Maske mit P2-Filter.
Häufige Fehler
- Spanplatte im Bad ohne Kantenschutz verbaut: Sie quillt auf.
- MDF als Regalboden bei großer Spannweite: Sie hängt durch.
- OSB für sichtbare Möbel, ohne Kanten und Fläche zu behandeln.
- Schrauben in die Schmalseite von Spanplatte oder MDF ohne Verbinder.
- Platten feucht lagern: Sie verziehen und quellen.
Passend zum Bedarf
Regalböden und Schränke, trockener Raum
Worauf achten: beschichtete Spanplatte P2, 16–19 mm, E1, Kanten mit Umleimer, oder Leimholz
Übliche Preisspanne: 10–40 €
Angebote bei Amazon ansehenWerkbankplatte oder belastbarer Boden
Worauf achten: Sperrholz/Multiplex Birke 21–27 mm, Verleimung EN 636-2 oder besser
Übliche Preisspanne: 40–120 €
Angebote bei Amazon ansehenKeller, Werkstatt, unsichtbare Konstruktion
Worauf achten: OSB/3 18 mm Nut und Feder oder glatt, Emissionsklasse E1
Übliche Preisspanne: 12–40 €
Angebote bei Amazon ansehenFräsarbeiten oder lackierte Front
Worauf achten: MDF 16–19 mm, bei Feuchtraum MDF mit Feuchteschutz, geschliffen
Übliche Preisspanne: 15–45 €
Angebote bei Amazon ansehenHäufige Fragen
OSB oder Multiplex: was ist besser?
Das hängt vom Zweck. OSB/3 ist günstig, steif und feuchtebeständig, die Oberfläche ist aber rau. Multiplex ist fester, schraubt sich auch an der Kante gut und sieht schön aus, kostet aber deutlich mehr. Für Werkbankplatten und sichtbare Möbel ist Multiplex sinnvoll, für Unterkonstruktionen OSB/3.
Was bedeutet P5 bei Spanplatten?
P5 ist ein Typ nach EN 312 für tragende Zwecke im Feuchtbereich. P3 gilt für nicht tragende Teile im Feuchtbereich. Für normale Möbel im Trockenen genügt P2.
Ist Spanplatte schädlich wegen Formaldehyd?
In Deutschland gilt für Holzwerkstoffe ein Grenzwert von 0,1 ppm Formaldehyd. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass auch Platten, die ihn einhalten, bei großflächigem Einsatz den Innenraumrichtwert überschreiten können. Wählen Sie bei großen Flächen emissionsarme Platten, beschichten Sie Kanten und lüften Sie.
Kann ich MDF im Bad verwenden?
Nur feuchtefeste MDF-Typen und nur ohne Spritzwasser und ohne offene Kanten. In dauerhaft feuchten Bereichen sind Sperrholz mit feuchtefester Verleimung oder Spanplatte P5 mit versiegelten Kanten die bessere Wahl.
Quellen
- Handwerk und Technik: Holzwerkstoffe (EN 312, EN 300, EN 622, EN 636, Feuchtebeständigkeit, E1)
- sanier.de: Wasserfeste Holzplatten (P3/P5/P7, OSB/3, IF67, A100, AW100, Siebdruckplatte)
- Umweltbundesamt: Prüfverfahren für Holzwerkstoffe nach ChemVerbotsV (0,1 ppm, DIN EN 16516)
- Baustoffshop Infothek: Holzplatten – Arten und Normen (Dichte, Formate, Bindemittel, Multiplex)
- Baustoffshop Infothek: Holzplatten – Normen (EN 312, EN 300, EN 636, Bindemittel, Formate)
- sanier.de: Holzschrauben vorbohren (MDF, OSB, Sperrholz, Multiplex)
- BG BAU: Staub-Flyer (Absaugen, Staubklasse M, Halbmaske P2)