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Ratgeber

Dunkle Wand hell überstreichen: So viele Anstriche brauchen Sie

Aktualisiert am

Dunkelblau, Anthrazit oder Bordeaux scheinen durch weiße Farbe durch. Wie viele Anstriche nötig sind, wann ein Vorstrich hilft und was Mieter beim Auszug beachten sollten.

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Warum dunkle Töne durchscheinen

Die Deckkraft einer Wandfarbe wird nach DIN EN 13300 als Kontrastverhältnis gemessen: Wie gut verdeckt eine Schicht einen schwarz-weißen Prüfuntergrund? Klasse 1 bedeutet 99,5 % und mehr. Dieser Wert gilt aber nur bei der Ergiebigkeit, die der Hersteller dazu nennt. Ein Technisches Merkblatt gibt zum Beispiel „Deckvermögen Klasse 1 bei 6 m²/l“ an. Das entspricht rund 167 ml je Quadratmeter und Anstrich. Wer dünner streicht, unterschreitet diese Schichtdicke, und der dunkle Untergrund schimmert wieder durch.

Ein dunkler Untergrund ist für eine weiße Farbe etwas anderes als der schwarz-weiße Prüfkarton. Ein tiefes Blau oder Rot absorbiert viel Licht, und schon eine dünne Restmenge des alten Tons färbt das helle Weiß sichtbar. Deshalb empfiehlt das Merkblatt einer Innenfarbe bei stark kontrastierenden Untergründen, vorzustreichen. Welche Klassen eine Farbe haben sollte, erklärt der Ratgeber Welche Wandfarbe?

Wie viele Anstriche? Faustwerte nach Ausgangston

Die Tabelle ist eine Orientierung für eine weiße Farbe mit Deckkraftklasse 1 oder 2 auf glattem, tragfähigem Untergrund. Sie ersetzt nicht das Merkblatt Ihrer Farbe. Machen Sie in jedem Fall eine Probe an einer unauffälligen Stelle und lassen Sie sie vollständig trocknen, bevor Sie urteilen: Nasse Farbe wirkt dunkler und grauer.

AusgangstonVorstrichDeckanstricheGesamt
Helle Pastelltöne, Beige, Hellgraunicht nötig22
Mittlere Töne (Grün, Terrakotta, Mittelblau)sinnvoll bei kräftigem Ton22–3
Dunkle Töne (Nachtblau, Bordeaux, Anthrazit)ja2, im Zweifel 33–4
Sehr dunkle bis schwarze Wandja, gegebenenfalls zweimal2–34 oder mehr

Je mehr Durchgänge Sie brauchen, desto wichtiger wird die Qualität der Farbe. Eine einfache Farbe mit Deckkraftklasse 3 oder 4 braucht oft einen Durchgang mehr. Der Aufpreis für Klasse 1 liegt meist bei wenigen Euro je Eimer; ein zusätzlicher Anstrich kostet Sie einen halben Tag und Farbe.

So gehen Sie vor: Vorstrich und Deckanstriche

  1. Untergrund prüfen. Fest, trocken, sauber und fettfrei muss die Wand sein. Machen Sie den Klebebandtest: Haftet beim Abziehen loses Material, grundieren Sie vorher (siehe Tiefengrund: wann nötig?). Glänzende Lackflächen vorher anschleifen.
  2. Vorstrich auftragen. Streichen Sie die weiße Farbe, die Sie auch für den Deckanstrich nehmen, mit höchstens 5 % Wasser verdünnt auf. So zieht sie gleichmäßiger ein und deckt den Ton schon teilweise ab. Alternativ nehmen manche Maler einen hellgrauen Zwischenton (weiße Farbe, leicht abgetönt), um den Kontrast zu verringern. Das ist eine verbreitete Praxis, aber kein Normverfahren.
  3. Trocknen lassen. Eine Innenfarbe ist laut Merkblatt nach vier bis sechs Stunden überstreichbar (bei 20 °C und 65 % Luftfeuchte), manche Spezialfarben brauchen zwölf Stunden. Die Verarbeitungstemperatur liegt bei mindestens 5 °C für Material, Luft und Wand.
  4. Ersten Deckanstrich unverdünnt. Tragen Sie die Menge auf, die zur angegebenen Ergiebigkeit passt, nicht „dünn und schnell“. Arbeiten Sie nass in nass, damit keine Ansätze entstehen (Details im Ratgeber Wand streichen ohne Streifen).
  5. Prüfen im Streiflicht. Beurteilen Sie die trockene Fläche bei Tageslicht und seitlichem Licht. Scheint der alte Ton noch durch, folgt ein weiterer Deckanstrich, kein Nachbessern an einzelnen Stellen.
  6. Zweiten Deckanstrich. Die Kanten und Ecken mit dem Pinsel zuerst, dann die Fläche mit der Rolle.

Farbmenge für drei Durchgänge berechnen

Ein Raum mit 4 m × 3 m Grundfläche und 2,5 m Raumhöhe hat 14 m Umfang und 35 m² Wandfläche. Abzüglich einer Tür (1,8 m²) und 2,5 m² Fenster bleiben 30,7 m². Bei einer Farbe mit Klasse 1 bei 6 m²/l brauchen Sie je Anstrich 30,7 ÷ 6 = 5,1 Liter. Drei Durchgänge ergeben rund 15,4 Liter, zwei Durchgänge 10,2 Liter. Gebinde gibt es meist mit 2,5, 5, 10 und 12,5 Litern; im Beispiel kaufen Sie also 17,5 Liter (10 + 5 + 2,5 oder 12,5 + 5). Den Wert für Ihren Raum liefert der Farbrechner, wenn Sie dort drei Anstriche einstellen.

Sperrgrund und Isoliergrund: nicht gegen den Farbton

Isoliergrund und Isolierfarbe sperren Nikotin-, Ruß-, Rost-, Gerbstoff- und Wasserflecken, wie Technische Merkblätter schreiben. Gegen einen dunklen Wandton helfen sie nicht, dafür sind sie nicht gedacht. Sie brauchen sie nur, wenn nach dem ersten Weißanstrich ein gelblich-brauner Fleck oder Rand erscheint, der nicht wie der Ausgangston aussieht. Dann gilt der Ratgeber Nikotin-, Wasser- und Rußflecken überstreichen.

Mietwohnung: Was beim Auszug gilt

Wer in einer Mietwohnung dunkle Wände angelegt hat, fragt sich vor dem Auszug, ob er sie überstreichen muss. Die Antwort hängt von Ihrem Mietvertrag und der Rechtsprechung ab, nicht vom Eindruck. Einige Eckpunkte aus Urteilen des Bundesgerichtshofs:

Prüfen Sie Mietvertrag und Übergabeprotokoll, bevor Sie streichen, und klären Sie Zweifelsfälle mit dem Mieterverein oder der Verbraucherzentrale. Mehr zum Auszug: Schönheitsreparaturen beim Auszug und Was ist in der Mietwohnung erlaubt? Das ist keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Häufige Fehler

Passend zum Bedarf

Deckanstriche auf mittleren bis dunklen Tönen

Worauf achten: Deckkraftklasse 1 mit Ergiebigkeit um 6–7 m²/l (nach DIN EN 13300), stumpfmatt oder matt, Gebinde 10 l

Übliche Preisspanne: 30–70 €

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Sehr dunkler Ausgangston: Zwischenschicht

Worauf achten: Wandfarbe hellgrau oder abgetönt, Deckkraftklasse 1, Gebinde 2,5 oder 5 l

Übliche Preisspanne: 20–45 €

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Saugende oder kreidende Wand vor dem Vorstrich

Worauf achten: Tiefgrund lösemittelfrei, Gebinde 5 l, Trocknungszeit laut Merkblatt beachten

Übliche Preisspanne: 12–30 €

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Gelbe oder braune Ränder erscheinen nach dem Weißanstrich

Worauf achten: Isolierfarbe weiß für Nikotin-, Ruß- und Wasserflecken, unverdünnt, Gebinde 750 ml bis 2,5 l

Übliche Preisspanne: 16–55 €

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Häufige Fragen

Reicht ein Anstrich, wenn die Farbe „deckt meistens mit einem Anstrich“ verspricht?

Auf einem hellen oder mittleren Ton oft ja, auf einem dunklen Untergrund selten. Solche Angaben gelten für den Normalfall; ein Merkblatt nennt selbst weitere Anstriche bei hohem Kontrast und empfiehlt dann einen Vorstrich. Planen Sie bei dunklen Wänden drei Durchgänge ein.

Kann ich einen Anstrich weglassen, wenn ich Tiefgrund nehme?

Nein. Tiefgrund festigt und gleicht die Saugfähigkeit aus, er deckt aber nicht. Er ist nur sinnvoll, wenn der Untergrund kreidet oder stark saugt. Gegen einen dunklen Ton helfen Vorstrich und Deckanstriche.

Muss ich die dunkle Wand in der Mietwohnung vor dem Auszug überstreichen?

Das hängt vom Mietvertrag und vom Zustand bei der Übergabe ab. Der BGH hat Schadensersatz bei ausgefallener Farbgebung bejaht, wenn die Wohnung neutral übergeben wurde (VIII ZR 416/12). Fragen Sie im Zweifel den Mieterverein.

Wie lange muss ich zwischen den Anstrichen warten?

Folgen Sie dem Merkblatt Ihrer Farbe. Bei einer Innenfarbe sind es etwa vier bis sechs Stunden bei 20 °C und 65 % Luftfeuchte, bei Spezialfarben bis zu zwölf Stunden. Kühle oder feuchte Luft verlängert die Zeit.

Quellen

  1. Mipa: Klassifizierung von Innenfarben nach DIN EN 13300 (Deckkraft- und Nassabriebklassen)
  2. Technisches Merkblatt Innenfarbe: Deckvermögen Klasse 1 bei 6 m²/l (Caparol)
  3. Technisches Merkblatt Innenfarbe: 110 ml/m², überstreichbar nach 4–6 h, Vorstrich bei hohem Kontrast mit höchstens 5 % Wasser (Alpina)
  4. Alpina: Grundwissen Grundierung (Klebeband-, Wisch- und Benetzungsprobe)
  5. Haufe: BGH VIII ZR 416/12 vom 06.11.2013, Rückgabe der Wohnung in ausgefallener Farbgebung
  6. Anwalt24: Wandfarben vor Gericht, Farbwahlklausel (BGH VIII ZR 224/07 u. a.)
  7. LTO: BGH zu Schönheitsreparaturen (VIII ZR 185/14 und VIII ZR 277/16)

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