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Ratgeber

Kippschutz für Kommode und Regal: Möbel an der Wand sichern

Aktualisiert am

Kommoden, Regale und TV-Möbel kippen, wenn Kinder klettern oder mehrere Schubladen offen stehen. So wählen und montieren Sie Winkel oder Gurt passend zur Wand, auch in der Mietwohnung.

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Warum Möbel kippen und wen es trifft

Ein Möbelstück kippt, sobald sein Schwerpunkt über die vorderen Kanten der Standfläche wandert. Bei einer Kommode passiert das, wenn mehrere Schubladen offen stehen oder sich ein Kind an einer Schublade hochzieht. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder rät, kleine Möbel, Fernseher und Regale auf Kippsicherheit zu prüfen und Regale und Schränke an der Wand festzuschrauben. Möbel im Kinderzimmer müssen demnach stabil und kippsicher sein, Schweres gehört nah an den Boden.

Ein großer Möbelhersteller nennt Kinder zwischen einem und sieben Jahren als besonders gefährdet. Kinder klettern an Schubladen wie auf einer Leiter, hängen sich an Möbel oder setzen sich in Schubladen. Nach seinen Angaben stellen Kommoden unabhängig von Modell und Größe ein Risiko dar, wenn sie nicht an der Wand befestigt sind. Zusätzlich verschlechtern unebene Böden, Teppichkanten oder dicke Teppiche die Standsicherheit. Auch Gegenstände auf dem Möbel, vor allem schwere weit vorn, verlagern den Schwerpunkt nach vorn.

Welche Möbel Sie sichern sollten

Einen Fernseher auf einer Kommode ersetzen Sie am sinnvollsten durch eine Wandhalterung. Wie das geht, zeigt das Projekt TV-Wandhalterung montieren. Bleibt der Fernseher auf dem Möbel stehen, sichern Sie Fernseher und Möbel gegen Kippen.

Kippschutz-Typen: Winkel, Gurt, Seil

TypAufbauGeeignet fürWorauf achten
Winkel oder KlappbeschlagMetallwinkel, wird an Möbel und Wand verschraubtMöbel mit fester Oberplatte oder Rahmen, die dicht an der Wand stehenMöbel muss nah an der Wand stehen; Abstand zur Sockelleiste mit Abstandshalter ausgleichen
Gurt oder BandNylonband mit Schnalle, an Wand und Möbel eingehängtMöbel, die nicht direkt an der Wand stehen (zum Beispiel wegen Sockelleiste)Straff spannen, möglichst waagerecht, Schnalle regelmäßig prüfen
Stahlseil oder KetteMetallseil mit Haken und WandplatteSchwere Möbel, wenn der Hersteller ein Seil vorsiehtKantenschutz, passende Schrauben für Möbel und Wand
Mitgelieferter BeschlagZwei Winkel mit Schrauben und Dübeln im LieferumfangMöbel des Herstellers, für den er bestimmt istMontageanleitung befolgen; Ersatzsatz beim Hersteller nachbestellen

Der Hersteller liefert bei vielen Kommoden zwei Wandwinkel mit Schrauben und Dübeln mit, die für die meisten massiven oder hohlen Wände geeignet sein sollen. Bei Massivholzmöbeln verwendet man Schrauben ohne Dübel. Folgen Sie der Montageanleitung und nutzen Sie die mitgelieferten Teile. Bei Unsicherheit lassen Sie sich beraten, statt zu improvisieren. Zusätzliche Sicherungen wie Schubladenstopper oder Unterlegkeile unter den Vorderfüßen können ergänzen, die Wandbefestigung aber nicht ersetzen.

Befestigung am Möbel: Wo und wie

Die richtige Wand: Dübel und Bohrverfahren

Erst die Wand bestimmen, dann den Dübel wählen (Ratgeber Welcher Dübel für welche Wand?). In Beton und Vollstein halten Spreiz- und Universaldübel, gebohrt mit Schlag. In Hochlochziegel und Porenbeton bohren Sie ohne Schlag und nehmen lange Universal-, Porenbeton- oder Injektionsdübel. Bei Gipskarton ist die Platte allein ein schwacher Anker: Ein Plattenhersteller gibt für eine einfach beplankte 12,5-mm-Wand bei 30 cm Ausladung etwa 8 kg für eine Universalschraube und rund 20 kg für einen Metall-Hohlraumdübel an. Das sind Biegelasten, keine Zugwerte, zeigen aber, wie wenig die Platte hält. Ein kippendes Möbel belastet die Befestigung zudem ruckartig. Befestigen Sie deshalb möglichst in den Ständer (Holz- oder Metallprofil) oder verwenden Sie Metall-Hohlraumdübel in doppelt beplankter Wand. Mehr dazu im Ratgeber Gipskarton: schwere Lasten.

Vor dem Bohren Leitungen prüfen. Suchen Sie mit einem Leitungssucher (Leitungen in der Wand finden) und bohren Sie nicht in die Zone oberhalb und unterhalb von Steckdosen und Schaltern. Haben Sie eine Leitung getroffen, hören Sie sofort auf, schalten die Sicherung des Stromkreises aus und rufen eine Elektrofachkraft. Reparieren Sie die Leitung nicht selbst.

Schritt für Schritt montieren

  1. Möbel leeren und an die endgültige Stelle schieben. Prüfen Sie, ob es senkrecht steht.
  2. Befestigungspunkte am Möbel markieren (oben, in tragenden Teilen) und die Position an die Wand übertragen.
  3. Leitungen und Rohre suchen. Verschieben Sie den Punkt, wenn der Sucher anschlägt.
  4. Bohren mit dem Verfahren, das zur Wand passt, und das Bohrloch aussaugen.
  5. Dübel setzen, Wandwinkel oder Wandplatte anschrauben.
  6. Am Möbel befestigen: Winkel verschrauben oder Gurt einhängen und straff ziehen.
  7. Zugprobe: Ziehen Sie kräftig am oberen Rand des Möbels nach vorn. Es darf sich nicht bewegen. Danach Schubladen füllen und wieder prüfen.
  8. Nach einigen Monaten kontrollieren: Sitzen Schrauben und Gurt fest?

Sockelleiste, Fußboden, Teppich

Viele Möbel stehen wegen der Sockelleiste ein bis zwei Zentimeter von der Wand ab oder lehnen sich nach hinten gegen die Leiste. Das ändert die Geometrie des Kippschutzes: Ein Winkel zieht das Möbel dann gegen die Wand und verspannt es. Lösungen: ein Abstandshalter in Stärke der Leiste hinter dem Befestigungspunkt, die Rückseite des Möbels an der Stelle der Sockelleiste ausklinken oder ein Gurt, der Abstand ausgleicht. Auch uneben liegender Boden, ein hochflorig liegender Teppich unter den Vorderfüßen oder fehlende Stellfüße machen Möbel instabiler. Gleichen Sie das aus, bevor Sie sichern.

Mietwohnung: zwei kleine Löcher

Zwei Dübellöcher für den Kippschutz sind in der Regel unproblematisch. Gerichte beanstanden vor allem sehr viele Löcher ohne erkennbaren Zweck oder Bohrungen in Fliesen, die sich in der Fuge hätten setzen lassen. So nennt eine Zusammenstellung Urteile, in denen 50 bis 60 Löcher in einem Arbeitszimmer oder 59 Löcher in einem Bad als nicht mehr vertragsgemäß galten, während 32 Löcher im Bad im Einzelfall noch in Ordnung waren. Bohren Sie in Fliesen, wenn möglich, in die Fuge, und halten Sie die Zahl niedrig. Beim Auszug verschließen Sie die Löcher mit Füllspachtel, anschließend streichen Sie die Stelle (Projekt Dübellöcher verschließen). Im Zweifel fragen Sie Vermieter oder Mieterverein. Was grundsätzlich erlaubt ist, steht im Ratgeber Heimwerken in der Mietwohnung. Die Sicherheit von Kindern ist ein guter Grund für eine Befestigung.

Häufige Fehler

Passend zum Bedarf

Kommode oder Sideboard an Massivwand

Worauf achten: Kippsicherung-Set mit zwei Metallwinkeln oder Gurten, Schrauben und Dübeln für Beton und Vollstein, Zugprobe nach Herstellerangabe

Übliche Preisspanne: 6–20 €

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Möbel mit Abstand zur Wand (Sockelleiste)

Worauf achten: Kippschutz-Gurt mit Metallschnalle und Wandplatte, Länge einstellbar, Befestigung für Möbel und Wand dabei

Übliche Preisspanne: 8–25 €

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Trockenbauwand

Worauf achten: Metall-Hohlraumdübel für 12,5 mm und doppelt beplankte Platten oder Befestigung im Ständer, Setzzange je nach System

Übliche Preisspanne: 8–25 €

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Leitungen vor dem Bohren prüfen

Worauf achten: Leitungssucher mit Anzeige für Metall und spannungsführende Leitungen, Hinweise zu Grenzen in der Anleitung

Übliche Preisspanne: 25–70 €

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Häufige Fragen

Muss ich als Mieter fragen, bevor ich Möbel an die Wand schraube?

Zwei Dübellöcher für einen Kippschutz gelten in der Regel als vertragsgemäßer Gebrauch. Problematisch sind sehr viele Löcher oder Bohrungen in Fliesen, wo Sie in die Fuge ausweichen könnten. Im Zweifel fragen Sie den Vermieter oder den Mieterverein.

Wie viele Befestigungspunkte braucht ein Kippschutz?

Mindestens zwei, möglichst weit oben und auseinander. Viele Kommoden werden vom Hersteller mit zwei Wandwinkeln geliefert; folgen Sie der Anleitung des Möbels.

Hält ein Kippschutz in Gipskarton?

Nur mit dem richtigen Dübel und besser im Ständer. Die Platte allein trägt wenig: Ein Plattenhersteller nennt bei einfach beplankter 12,5-mm-Wand für eine Universalschraube etwa 8 kg Biegelast bei 30 cm Ausladung, für einen Metall-Hohlraumdübel etwa 20 kg. Suchen Sie den Ständer oder nutzen Sie Metall-Hohlraumdübel in doppelter Beplankung.

Ersetzt ein Kippschutz die Kontrolle des Möbels?

Nein. Prüfen Sie auch Standfläche, Boden und Beladung. Schwere Gegenstände gehören nach unten, nicht auf das Möbel. Einen Fernseher auf der Kommode ersetzen Sie am sinnvollsten durch eine Wandhalterung.

Quellen

  1. BAG Mehr Sicherheit für Kinder: So wird dein Wohnzimmer kindersicher (Möbel kippsicher, Regale an die Wand)
  2. BAG Mehr Sicherheit für Kinder: Das eigene Reich – sicheres Kinderzimmer (kippsichere Möbel, Schweres nach unten)
  3. BAG Mehr Sicherheit für Kinder: 10 Tipps gegen Sturzunfälle (Regale an der Wand festschrauben)
  4. Herstellerinformation (IKEA): Kippschutz für Möbel – „Sicher ist sicher!“
  5. Knauf: Befestigungen von Lasten leicht gemacht (Hohlraumdübel in Gipsplatten, Lastwerte)
  6. Haufe: Bohrlöcher in Fliesen und Dübellöcher – vertragsgemäße Nutzung (Urteile)
  7. toom: Bohrlöcher schließen in 5 Schritten

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