Zum Inhalt springen
Ratgeber

Schutzausrüstung beim Heimwerken: Brille, Gehörschutz, Handschuhe

Aktualisiert am

Welche persönliche Schutzausrüstung Sie zu welcher Arbeit brauchen: Schutzbrille nach EN 166, Gehörschutz ab 80 dB(A), Handschuhe nach EN 388 und wann keine Handschuhe an die Maschine gehören.

Werbung: Links zu Amazon auf dieser Seite sind Affiliate-Links. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen. Für Sie ändert sich der Preis nicht.

Was Sie wann tragen: Übersicht nach Arbeit

ArbeitAugen und GesichtGehörHändeWeitere
Bohren, Schrauben (Akku)Schutzbrillemeist nicht nötigkeine Handschuhe an der laufenden MaschineMaske bei Staub
Bohrhammer in BetonSchutzbrilleGehörschutzkeine Handschuhe an der laufenden MaschineMaske FFP2, Absaugung
WinkelschleiferSchutzbrille und GesichtsschutzGehörschutznach Anleitung des HerstellersMaske, festes Schuhwerk
Kreissäge, TischkreissägeSchutzbrilleGehörschutzje nach HerstellerMaske, Absaugung
Fliesen schneiden (Nassschneider)SchutzbrilleGehörschutzSchutzhandschuheSchürze, Schuhe
Holz tragen, Kanten, Platten––Handschuhe nach EN 388feste Schuhe
Abbeizer, LösemittelSchutzbrille mit Seitenschutz–Chemikalienschutzhandschuhe laut SicherheitsdatenblattGasfilter, Lüften

Diese Tabelle ist eine Orientierung. Die maßgeblichen Angaben stehen in der Betriebsanleitung Ihrer Maschine und im Sicherheitsdatenblatt des Produkts. Die dortigen Warn- und Sicherheitshinweise gehen jeder Faustregel vor.

Gehörschutz: Ab wann und welcher?

Die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung kennt zwei Auslösewerte, die die BG BAU so beschreibt: Ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 80 dB(A) (oder einem Spitzenschalldruck von 135 dB(C)) muss der Arbeitgeber Gehörschutz zur Verfügung stellen. Ab 85 dB(A) (oder 137 dB(C)) ist das Tragen Pflicht. Für Sie als Heimwerker gelten diese Regeln nicht als Vorschrift, sie sind aber eine praxisnahe Orientierung. Der Tagespegel hängt von Lautstärke und Dauer ab. Eine Stunde mit einem schlagenden Gerät kann also anders wirken als fünf Minuten.

Wie laut Ihr Gerät ist, steht in der Betriebsanleitung unter den technischen Daten als Schalldruckpegel. Liegt dieser bei oder über 80 dB(A), ist Gehörschutz sinnvoll. Bohrhammer, Winkelschleifer, Kreissäge und Nagelpistole gehören zu den Geräten, bei denen Sie die Angabe prüfen sollten. Die BG BAU weist außerdem darauf hin, dass Knall- und Impulsgeräusche, etwa von Nagelgeräten, das Gehör dauerhaft schädigen können.

SNR und Pegel richtig lesen. Auf der Verpackung steht ein SNR-Wert in Dezibel, ein grober Einzahlwert für die Dämmung. Die DGUV Regel 112-194 nennt als Faustregel: Vom C-bewerteten Lärmpegel am Arbeitsplatz ziehen Sie den SNR-Wert ab, um den A-bewerteten Restpegel am Ohr zu erhalten. In der Praxis liegt die Dämmung oft unter dem Laborwert; die Regel nennt für die Herstellerwerte Abschläge von 5 dB bei den meisten Bauarten, 9 dB bei Schaumstoffstöpseln und 3 dB bei angepassten Otoplastiken. Ein Restpegel ab 85 dB(A) gilt als Unterschutz. Weniger als 70 dB(A) am Ohr gelten als Überschutz, den Sie im Alltag vermeiden sollten, weil Sie dann Zurufe oder Warnsignale überhören.

Kapsel oder Stöpsel? Nach der DGUV Regel bieten beide grundsätzlich vergleichbare Dämmung. Kapseln sind bequem, wenn Sie sie oft auf- und absetzen. Stöpsel sind sinnvoll bei gleichbleibendem Lärm, bei starkem Schwitzen unter Kapseln und wenn Sie gleichzeitig Brille oder Atemschutz tragen, denn Brillenbügel können die Dichtung von Kapselgehörschützern beeinträchtigen.

Schutzbrille: Wonach Sie suchen

Augenschutz kostet wenig und ist unverzichtbar, weil Splitter, Funken und Staub in Sekunden passieren. Achten Sie auf die Kennzeichnung nach EN 166. Auf dem Rahmen und auf den Sichtscheiben stehen Buchstaben für die mechanische Festigkeit: S steht für erhöhte Festigkeit, F für Schutz gegen Teilchen mit geringer Energie, B für mittlere Energie, A für hohe Energie. Beim Rahmen ist eine Kennzeichnung mit F, B oder A für Hochgeschwindigkeitspartikel vorgesehen. Die DGUV Regel 112-992 betont, dass Scheibe und Rahmen zusammenpassen müssen; eine gute Scheibe in einem ungeeigneten Rahmen schützt nicht.

Bauform: Eine Gestellbrille mit Seitenschutz reicht für die meisten Arbeiten. Korbbrillen liegen dicht am Gesicht an, beschlagen dafür schneller; die Regel nennt Korbbrillen mit der Kennzeichnung 5 für Gase und feinen Staub. Ein Visier schützt das Gesicht und Teile des Halses. Beim Winkelschleifer ist es zusätzlich zur Brille sinnvoll, weil Funken und Bruchstücke von Trennscheiben ins Gesicht fliegen können. Kratzer, Verfärbungen und anhaftende Partikel sind laut Regel ein Grund, die Scheibe zu ersetzen.

Handschuhe: Schützen oder Gefahr?

Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken tragen die Kennzeichnung nach EN 388 (Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit, Weiterreißfestigkeit, Durchstichkraft). Sie eignen sich zum Tragen von Brettern, Platten und Rollen, für Kanten und für Schneidarbeiten mit der Hand, wenn die Schnittfestigkeit zur Arbeit passt. Für Chemikalien, etwa Abbeizer oder Epoxid, brauchen Sie Chemikalienschutzhandschuhe, deren Material laut Sicherheitsdatenblatt geeignet ist; die BG BAU führt zu diesem Thema eigene Auswahlhilfen.

Keine Handschuhe an drehenden Teilen. Die allgemeinen Sicherheitshinweise in den Anleitungen von Elektrowerkzeugen verlangen, Haare, Kleidung und Handschuhe von sich bewegenden Teilen fernzuhalten. An Bohrmaschine, Bohrständer, Fräse oder Drehbank kann ein Handschuh oder ein Ärmel vom Bohrer erfasst und aufgewickelt werden. Tragen Sie hier eng anliegende Kleidung, nehmen Sie Schmuck ab und binden Sie lange Haare zusammen.

Weitere Gefahr: Wer mit Handschuhen am laufenden Bohrer ein Werkstück festhält, verliert die Kontrolle über das Teil. Spannen Sie Werkstücke ein, statt sie zu halten.

Schuhe, Kleidung und Kopf

Feste, geschlossene Schuhe sind Pflicht auf jeder Baustelle. Sicherheitsschuhe mit Zehenschutzkappe lohnen sich beim Tragen schwerer Platten, Pflastersteine oder Sackware und beim Abbruch. Die DGUV Regel 112-191 regelt die Benutzung von Fuß- und Knieschutz; Knieschutz entlastet beim Fliesenlegen. Eine Anstoßkappe oder ein Helm ist sinnvoll bei Arbeiten in niedrigen Kellern oder unter Decken. Weite Ärmel, Schals und Schmuck gehören nicht an die Maschine.

Häufige Fehler

Zu einer sicheren Arbeit gehört auch ein sicherer Stand. Wie Sie Leitern richtig aufstellen, erklärt Leiter sicher benutzen. Welche Maschine zu Ihnen passt, klärt der Bohrhammer-Ratgeber und der Winkelschleifer-Ratgeber.

Passend zum Bedarf

Grundausstattung für alle Arbeiten

Worauf achten: Schutzbrille mit Kennzeichnung nach EN 166, Seitenschutz, Kratzfestbeschichtung, Antibeschlag, über Korrekturbrille tragbar

Übliche Preisspanne: 5–25 €

Angebote bei Amazon ansehen

Bohrhammer, Winkelschleifer, Kreissäge

Worauf achten: Kapselgehörschutz mit angegebenem SNR-Wert (ca. 25–30 dB), Bügel gepolstert, faltbar

Übliche Preisspanne: 15–45 €

Angebote bei Amazon ansehen

Gehörschutz zusammen mit Brille und Maske

Worauf achten: Gehörschutzstöpsel mit Band oder Schaumstoff, angegebener SNR-Wert, Größe passend zum Gehörgang

Übliche Preisspanne: 5–20 €

Angebote bei Amazon ansehen

Material tragen und Handarbeit

Worauf achten: Schutzhandschuhe EN 388, Abriebfestigkeit und Schnittfestigkeit angegeben, enge Passform

Übliche Preisspanne: 5–25 €

Angebote bei Amazon ansehen

Winkelschleifer und Trennscheiben

Worauf achten: Gesichtsschutzvisier mit Kopfhalterung, Scheibe nach EN 166 gekennzeichnet, austauschbar

Übliche Preisspanne: 10–35 €

Angebote bei Amazon ansehen

Häufige Fragen

Brauche ich als Heimwerker überhaupt Gehörschutz?

Die 80- und 85-dB(A)-Auslösewerte richten sich an Arbeitgeber. Als Orientierung sind sie nützlich: Wenn der Schalldruckpegel Ihrer Maschine laut Anleitung bei 80 dB(A) oder höher liegt, ist Gehörschutz empfehlenswert. Schäden entstehen schleichend; die BG BAU nennt als typischen Beginn eine Senke im Hörvermögen bei 3 bis 6 kHz.

Was bedeutet der SNR-Wert auf Gehörschutz?

SNR ist ein Einzahlwert für die Schalldämmung in Dezibel. Er wird vom C-bewerteten Lärmpegel abgezogen, um den Restpegel am Ohr zu schätzen. Laut DGUV Regel 112-194 ist er nur ein grober Wert; reale Dämmung liegt häufig darunter.

Warum keine Handschuhe an der Bohrmaschine?

Sich drehende Teile können Stoff erfassen und aufwickeln. Die Sicherheitshinweise für Elektrowerkzeuge verlangen deshalb, Handschuhe und Kleidung von bewegten Teilen fernzuhalten. Bohrer lassen sich nicht stoppen, wenn die Hand schon eingezogen wird.

Kann ich meine Brille unter der Schutzbrille tragen?

Ja, mit einer Überbrille, die über der Korrekturbrille sitzt und nach EN 166 gekennzeichnet ist. Alternativ gibt es Schutzbrillen mit eingearbeiteter Sehstärke. Die DGUV Regel nennt für Letztere eine deutlich längere Nutzungsdauer.

Quellen

  1. BG BAU: Lärm (Auslösewerte 80 und 85 dB(A), Gehörschutz)
  2. DGUV Regel 112-194: Benutzung von Gehörschutz (SNR-Verfahren, Kapsel und Stöpsel)
  3. DGUV Regel 112-992: Benutzung von Augen- und Gesichtsschutz (EN 166, Kennzeichnung S, F, B, A)
  4. DGUV Regel 112-191: Benutzung von Fuß- und Knieschutz
  5. DGUV Regel 112-995: Benutzung von Schutzhandschuhen
  6. DIN EN 388: Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken

Passende Seiten