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Ratgeber

Welche Wandfarbe? Deckkraft, Nassabrieb und Glanz richtig lesen

Aktualisiert am

Auf jedem Eimer Innenfarbe stehen Klassen nach DIN EN 13300. Wer sie lesen kann, erkennt sofort, ob eine Farbe in zwei Anstrichen deckt und ob sie im Flur abwischbar ist.

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Die Angaben nach DIN EN 13300 auf dem Eimer

Die europäische Norm DIN EN 13300 legt fest, wie die Eigenschaften wasserverdünnbarer Innenwand- und Deckenfarben geprüft und angegeben werden. Für die Kaufentscheidung zählen drei Angaben: Nassabriebbeständigkeit, Deckvermögen (Kontrastverhältnis) und Glanzgrad. Steht keine Klasse auf dem Eimer, finden Sie sie im Technischen Merkblatt des Herstellers. Fehlt sie auch dort, ist das ein Hinweis auf eine einfache Farbe.

NassabriebklasseSchichtdickenverlust im ScheuertestAlte Bezeichnung
Klasse 1unter 5 µm nach 200 Scheuerzyklen–
Klasse 25 bis unter 20 µm nach 200 Zyklenscheuerbeständig
Klasse 320 bis unter 70 µm nach 200 Zyklenwaschbeständig
Klasse 4unter 70 µm nach 40 Zyklen–
Klasse 570 µm und mehr nach 40 Zyklen–

Die Nassabriebklasse beschreibt also, wie viel Farbschicht beim feuchten Abwischen verloren geht. Klasse 1 und 2 vertragen regelmäßiges Abwischen, Klasse 3 gelegentliches, Klasse 4 und 5 eignen sich praktisch nur für Decken und Räume, in denen nie jemand an die Wand kommt.

Deckkraftklasse nur zusammen mit der Ergiebigkeit lesen

Das Deckvermögen wird als Kontrastverhältnis gemessen: Wie gut verdeckt eine Farbschicht einen schwarz-weißen Prüfuntergrund?

DeckkraftklasseKontrastverhältnis
Klasse 199,5 % und mehr
Klasse 298 bis unter 99,5 %
Klasse 395 bis unter 98 %
Klasse 4unter 95 %

Der entscheidende Punkt steht im Kleingedruckten: Die Klasse gilt bei einer bestimmten Ergiebigkeit, die der Hersteller selbst wählt. Ein Merkblatt nennt zum Beispiel „Deckvermögen Klasse 1 bei einer Ergiebigkeit von 6 m²/l“. Eine andere Farbe kann Klasse 2 erreichen, aber bei 9 m²/l, also mit deutlich dünnerer Schicht. Vergleichen Sie deshalb immer beide Werte. Der Leitfaden des Umweltbundesamts für emissionsarme Innenwandfarben verlangt, dass Reichweite, Nassabriebklasse und Deckvermögen auf dem Gebinde stehen und dass die beworbene Reichweite nicht weit über der Ergiebigkeit liegt, für die das Deckvermögen angegeben ist.

Für die Mengenplanung heißt das: Rechnen Sie mit der Ergiebigkeit, die neben der Deckkraftklasse steht, nicht mit einem werblichen „bis zu“-Wert. Der Farbrechner übernimmt diesen Wert direkt.

Welche Klassen für welchen Raum?

RaumNassabriebDeckkraftGlanzgrad
Wohnzimmer, Schlafzimmer, Arbeitszimmer3 genügt1–2stumpfmatt oder matt
Flur, Treppenhaus, Kinderzimmer1–21–2matt
Küche, Essbereich1–21–2matt bis mittlerer Glanz
Decken31–2stumpfmatt
Bad (ohne direktes Spritzwasser)1–21–2matt; auf Feuchtraumeignung im Merkblatt achten

Die Tabelle ist eine Orientierung, keine Normvorgabe. Wer kleine Kinder, Haustiere oder einen schmalen Flur hat, fährt mit Klasse 2 auch im Wohnzimmer gut. Eine höhere Klasse kostet meist nur wenige Euro je Eimer mehr; der dritte Anstrich kostet einen halben Tag.

Glanzgrad: matt verzeiht, glänzend zeigt alles

DIN EN 13300 unterscheidet vier Glanzgrade: glänzend, mittlerer Glanz, matt und stumpfmatt. Je matter die Farbe, desto weniger zeigen sich Unebenheiten, Spachtelstellen und Rollenansätze im Streiflicht. Darum sind Decken und große Wände mit seitlichem Fensterlicht fast immer stumpfmatt gestrichen. Glänzendere Farben lassen sich leichter reinigen, betonen aber jede Unebenheit. Ein glatter Untergrund ist bei ihnen Voraussetzung; bei Gipskarton bedeutet das eine Spachtelung in höherer Qualitätsstufe.

Farbtypen: Dispersion, Latex, Silikat

Dispersionsfarbe ist der Standard für Innenwände: gut zu verarbeiten, in allen Klassen erhältlich. Latexfarbe ist im heutigen Sprachgebrauch meist eine Dispersionsfarbe mit höherem Glanz und hoher Abriebfestigkeit; echtes Latex enthält sie selten. Silikatfarbe und Silikat-Dispersionsfarbe verbinden sich mit mineralischem Putz, bleiben diffusionsoffen und sind wegen ihres hohen pH-Werts von Natur aus wenig anfällig für Keime. Sie haften aber schlecht auf alten Dispersionsanstrichen und auf Tapete, wenn der Hersteller das nicht ausdrücklich freigibt. Lesen Sie vor dem Wechsel des Farbtyps das Merkblatt.

Emissionen und Konservierungsmittel

Viele Dispersionsfarben enthalten Konservierungsmittel aus der Gruppe der Isothiazolinone, damit sie im Eimer nicht verderben. Für Menschen mit einer Kontaktallergie gegen diese Stoffe ist das relevant: Die Verbraucherzentrale NRW nennt den Warnhinweis „H317: Kann allergische Hautreaktionen hervorrufen“ auf dem Etikett als Erkennungszeichen und verweist auf Silikat-Dispersionsfarben, die wegen ihres hohen pH-Werts nicht weiter konserviert werden müssen. Das Umweltzeichen Blauer Engel für Innenwandfarben (DE-UZ 102) begrenzt flüchtige organische Stoffe und Isothiazolinone eng. Unabhängig vom Produkt gilt: während und nach dem Streichen gut lüften.

Weiß, abgetönt oder fertig gemischt?

Weiße Farben aus dem Regal sind die günstigste Lösung. Abtönen mit Vollton- und Abtönfarbe senkt bei starken Farbtönen oft die Deckkraft; dann sind drei Anstriche nötig. Im Baumarkt oder Fachhandel maschinell gemischte Farben sind auf den Farbton eingestellt und decken besser. Mischen Sie mehrere Eimer desselben Tons vor dem Streichen in einem großen Gefäß, damit es keine Abweichungen zwischen zwei Wänden gibt. Ein Probeanstrich auf einem großen Stück Karton zeigt den Farbton bei Ihrem Licht, bevor Sie zehn Liter kaufen.

Passend zum Bedarf

Wohn- und Schlafräume

Worauf achten: Deckkraftklasse 1 oder 2 mit Ergiebigkeit um 6–7 m²/l, Nassabriebklasse 3, stumpfmatt

Übliche Preisspanne: 30–60 €

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Flur, Küche, Kinderzimmer

Worauf achten: Nassabriebklasse 1 oder 2 (scheuerbeständig), Deckkraftklasse 1–2, matt

Übliche Preisspanne: 45–100 €

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Allergie gegen Konservierungsmittel

Worauf achten: Blauer Engel DE-UZ 102 oder Silikat-Dispersionsfarbe ohne Isothiazolinone, kein Hinweis H317

Übliche Preisspanne: 40–90 €

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Decke

Worauf achten: stumpfmatt, Deckkraftklasse 1, lange offene Zeit gegen Ansätze

Übliche Preisspanne: 30–70 €

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Häufige Fragen

Was ist besser: Deckkraftklasse 1 oder Nassabriebklasse 1?

Das sind zwei verschiedene Eigenschaften. Die Deckkraftklasse sagt, wie gut die Farbe den Untergrund verdeckt; die Nassabriebklasse, wie gut sie Abwischen verträgt. Für die meisten Wohnräume ist Deckkraftklasse 1 oder 2 wichtiger, für Flur und Küche die Nassabriebklasse.

Ist waschbeständig dasselbe wie scheuerbeständig?

Nein. Die alten Begriffe aus der zurückgezogenen DIN 53778 entsprechen ungefähr den heutigen Klassen: waschbeständig etwa Nassabriebklasse 3, scheuerbeständig Klasse 1 oder 2. Viele Merkblätter nennen beide Angaben nebeneinander.

Warum deckt meine Farbe trotz Klasse 1 nicht?

Meist wurde dünner gestrichen als die angegebene Ergiebigkeit, oder der Untergrund saugt ungleichmäßig. Prüfen Sie, wie viel Farbe Sie je Quadratmeter verbraucht haben, und grundieren Sie stark saugende Flächen vorher.

Kann ich Wandfarbe für Decke und Wand verwenden?

Ja, wenn das Merkblatt beides nennt. Für Decken lohnt sich eine stumpfmatte Farbe mit guter Deckkraft, weil sie Ansätze besser verbirgt.

Quellen

  1. Mipa: Klassifizierung von Innenfarben nach DIN EN 13300 (Nassabrieb- und Deckkraftklassen)
  2. Umweltbundesamt: Leitfaden zur umweltfreundlichen öffentlichen Beschaffung von emissionsarmen Innenwandfarben
  3. Technisches Merkblatt einer Innenfarbe: Deckvermögen Klasse 1 bei 6 m²/l, stumpfmatt nach DIN EN 13300 (Caparol)
  4. Verbraucherzentrale NRW: Wandfarben – welche Farben sind für Allergiker geeignet?
  5. Blauer Engel: Factsheet Innenwandfarben (DE-UZ 102)

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