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Ratgeber

Estricharten: Zement-, Fließ- und Trockenestrich

Aktualisiert am

Welcher Estrich passt in Altbau, Bad oder zur Fußbodenheizung? Zement-, Calciumsulfat-Fließ- und Trockenestrich im Überblick, mit Trocknungszeiten, Gewicht und Eignung für Eigenleistung.

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Die Estricharten im Überblick

Estrich ist die ebene, tragfähige Schicht, auf die Fliesen, Laminat, Parkett oder Vinyl kommen. Nach der Norm DIN EN 13813 und DIN 18560 unterscheidet man ihn nach Bindemittel:

Art (Kürzel)BindemittelEigenschaften
Zementestrich (CT)ZementKorn meist bis 8 mm, Zement:Sand etwa 1:5 bis 1:3; wasserbeständig; schwimmend frühestens nach 3 Tagen begehbar; Felder bis etwa 36 m²
Calciumsulfatestrich (CA)Calciumsulfat (Anhydrit)bis 1.000 m² ohne Dehnfugen möglich; nach 2–3 Tagen begehbar; nicht wasserbeständig
Magnesiaestrich (MA)Magnesianach frühestens 2 Tagen begehbar; selten, Fachbetrieb
Gussasphaltestrich (AS)Bitumenmindestens 20 mm; nach 2–3 Stunden begehbar; Fachbetrieb
Kunstharzestrich (SR)Kunstharzmeist 8–15 mm; nach 3–7 Tagen belastbar; Fachbetrieb
TrockenestrichPlatten (z. B. Gipsfaser)kein Wasser, daher keine Trocknungszeit; Verlegung nach Herstelleranleitung

Für Eigenleistung kommen praktisch Zementestrich (aus dem Sack oder als Estrichmörtel) und Trockenestrich infrage. Fließestrich wird geliefert und gepumpt, Magnesia-, Guss- und Kunstharzestrich bleiben Fachbetrieben vorbehalten.

Welcher Estrich wohin?

SituationGeeignetBegründung
Bad, Dusche, FeuchträumeZementestrichCalciumsulfatestrich ist nicht wasserbeständig
FußbodenheizungZement- oder Calciumsulfat-Heizestrich vom FachbetriebÜberdeckung 45 mm bei Klasse F4; Aufheizprotokoll nötig
Altbau, HolzbalkendeckeTrockenestrich oder Planung mit StatikerZementestrich bringt etwa 100 kg/m² bei 5 cm Dicke
Kleine Reparatur, AusgleichEstrichmörtel oder Ausgleichsmassegeringe Dicke, wenig Last
Großfläche im NeubauFließestrich vom Fachbetriebeben, in einem Zug

Bei Dicken und Mengen hilft der Estrichrechner. Soll nur eine Unebenheit ausgeglichen werden, ist meist eine Ausgleichsmasse sinnvoller als ein Estrich; die Menge liefert der Ausgleichsmasse-Rechner.

Gewicht und Dicke: Warum Altbaudecken besonders aufpassen

Ein Quadratmeter mit einem Zentimeter Zementestrich wiegt rund 20 kg (bei einer Rohdichte von etwa 2.000 kg/m³). Bei einem schwimmenden Estrich von 5 cm sind es also rund 100 kg je m², dazu kommen Dämmung und Bodenbelag. Normalbeton wiegt 2.000 bis 2.600 kg/m³, Estrich liegt in derselben Größenordnung. Altbaudecken, besonders Holzbalkendecken, sind dafür oft nicht ausgelegt. Hier muss ein Statiker oder eine Fachplanerin die Last bewerten, bevor Sie Zementestrich einbringen. Trockenestrich oder eine Leichtschüttung mit Trockenestrich ist dann häufig die geeignete Lösung.

Die Dicke hängt vom Aufbau ab. Nach DIN 18560 gilt für Verbundestrich eine Nenndicke von höchstens 50 mm. Zementestrich auf Trennschicht verlangt mindestens 35 mm. Beim schwimmenden Estrich bestimmen Dämmschicht und Verkehrslast die Dicke; die Angabe liefert der Estrichhersteller oder die Planung. Heizestrich braucht über dem Rohr eine Überdeckung von 45 mm (bei Biegezugfestigkeitsklasse F4) beziehungsweise 30 mm bei höheren Klassen.

Trocknung und Belegreife

Estrich muss trocken sein, bevor ein Belag kommt, sonst entstehen Schäden an Parkett, Laminat und Klebern. Die Restfeuchte wird mit der CM-Methode gemessen (Calciumcarbid-Methode nach DIN 18560); die Messung gehört vor jeden Belag. Als Grenzwerte werden für Zementestrich genannt: 2,0 CM-% unbeheizt und 1,8 CM-% beheizt, für Calciumsulfatestrich 0,5 CM-% unbeheizt und 0,3 CM-% beheizt. Der Verband EPLF nennt für Laminat Zementestrich unter 2,0 CM-%, Anhydritfließestrich unter 0,5 CM-% und bei Fußbodenheizung idealerweise unter 0,3 CM-%. Der Belaghersteller kann strengere Grenzwerte verlangen.

Schwimmender Zementestrich ist frühestens nach 3 Tagen begehbar; die erste Feuchtemessung erfolgt in der Regel nach 28 Tagen. Die Trocknung hängt von Lüftung, Raumtemperatur und Luftfeuchte ab. Eine Studie von 2012 (TKB und Universität Siegen) hält den Grenzwert von 2,0 CM-% für Zementestrich nicht für sicher: Nasse Estriche können danach als trocken gelten. Messen Sie deshalb lieber ein zweites Mal oder lassen Sie den Estrich von einem Fachbetrieb prüfen. Mehr zur Restfeuchte steht im Ratgeber Estrich: Restfeuchte messen.

Fußbodenheizung: Aufheizen mit Protokoll

Bei Heizestrich wird vor dem Verlegen des Belags aufgeheizt und das Aufheizprotokoll dokumentiert (nach BVF-Infoblatt, wie in der EPLF-Verlegeanweisung für Laminat beschrieben). Nach der Verlegung hält man die Oberflächentemperatur etwa drei Tage bei 18 °C und hebt sie dann langsam an, ohne 29 °C zu überschreiten. Heizestriche haben Bewegungsfugen ab etwa 8 m Seitenlänge oder 40 m² Fläche. Einbau und Aufheizen sind Aufgaben für Fachbetriebe; vor der Verlegung eines Belags auf Fußbodenheizung lesen Sie Fußbodenheizung: Welcher Bodenbelag?.

Eigenleistung: Was Sie selbst tun können

Hautschutz und Asbest im Altbau

Zementestrich ist alkalisch: Handschuhe, Schutzbrille, lange Ärmel und eine FFP2-Maske beim Öffnen der Säcke gehören dazu; die BG BAU nennt Zement, Kalk und Laugen als Gefährdung für die Haut. In Altbauten vor 1993 können alte Spachtelmassen, Fliesenkleber und Bodenbeläge Asbest enthalten. Schleifen, Fräsen und Abschlagen asbesthaltiger Materialien ist Fachfirmen vorbehalten, und vor Arbeiten in Gebäuden mit Baujahr vor November 1993 steht eine Asbesterkundung. Näheres im Ratgeber Asbest im Altbau.

Häufige Fehler

Passend zum Bedarf

Kleine Fläche, Eigenleistung

Worauf achten: Estrichmörtel oder Universalmörtel mit Estrichfreigabe, 25–40 kg, Schichtdicke und Verbrauch auf dem Sack, Wasserbedarf

Übliche Preisspanne: 6–14 €

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Altbau mit Holzbalkendecke

Worauf achten: Trockenestrich-Elemente (Gipsfaser) mit Stufenfalz, Dicke nach Herstellerangabe, passender Kleber

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Randbereich und Fugen

Worauf achten: Randdämmstreifen 8–10 mm, selbstklebend, 50 m Rolle mit Folie

Übliche Preisspanne: 8–25 €

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Nach dem Estrich: Belag vorbereiten

Worauf achten: Tiefgrund oder Grundierung passend zum Belag, Ausgleichsmasse nach Herstellerangabe; die CM-Messung der Restfeuchte macht ein Fachbetrieb

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Häufige Fragen

Welcher Estrich ist für den Altbau geeignet?

Bei Holzbalkendecken meist Trockenestrich, weil Zementestrich etwa 100 kg/m² bei 5 cm Dicke auf die Decke bringt. Auf Massivdecken ist Zementestrich möglich. Die Tragfähigkeit klärt vorher eine Statikerin oder ein Statiker.

Wie lange muss Zementestrich trocknen?

Er ist schwimmend frühestens nach 3 Tagen begehbar, die erste Feuchtemessung erfolgt meist nach 28 Tagen. Die Wartezeit bis zum Belag hängt von Dicke, Lüftung und Raumklima ab; entscheidend ist die CM-Messung. Für Laminat auf Zementestrich nennt der EPLF unter 2,0 CM-%.

Ist Fließestrich für das Bad geeignet?

Calciumsulfat-Fließestrich ist nicht wasserbeständig. In Duschbereichen und Feuchträumen ist Zementestrich die Standardwahl, mit fachgerechter Abdichtung.

Kann ich Estrich selbst einbauen?

Kleine Flächen mit Estrichmörtel gelingen mit Helfer und passendem Werkzeug. Fließestrich, Heizestrich und Estrich auf tragenden Altbaudecken sind Fachbetriebssache.

Quellen

  1. Wikipedia: Estrich (Estricharten CT/CA/MA/AS/SR, Feldgrößen, CM-Restfeuchte, Begehbarkeit)
  2. Wikipedia: DIN 18560 Estriche im Bauwesen (Mindestnenndicken, Überdeckung Heizrohre)
  3. EPLF: Verlegung von Laminatböden (CM-Grenzwerte, Fußbodenheizung, Aufheizprotokoll)
  4. SAKRET: Universalmörtel 4 in 1 (Estrich: Schichten bis 40 mm, Randstreifen ≥ 8 mm)
  5. Wikipedia: Beton (Rohdichte 2.000–2.600 kg/m³)
  6. BG BAU: Hautschutz bei der Arbeit (Zement, Kalk, Laugen)
  7. Verbraucherzentrale: Asbest – gefährlich und immer noch aktuell (Verbot 1993, Fundorte)

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