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Ratgeber

Multitool kaufen: Wofür es taugt, welche Aufnahme und welches Zubehör

Aktualisiert am

Zarge kürzen, Fugen auskratzen, Ausschnitte sägen, Reste abschaben: Was ein oszillierendes Multitool kann, welche Werkzeugaufnahme und welche Antriebsart passt und mit welchen Zubehörkosten Sie rechnen.

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Was ein Multitool kann, und was nicht

Das Multitool arbeitet anders als Säge oder Schleifer. Statt sich zu drehen oder vor- und zurückzubewegen, schwingt das Einsatzwerkzeug in sehr kurzen Bewegungen hin und her. Hersteller geben bei Geräten für Heimwerker einen Oszillationswinkel von 2,8° an. Die Leerlaufschwingzahl liegt je nach Modell bei etwa 10.000 bis 20.000 Schwingungen pro Minute. Das erlaubt Schneiden, Sägen, Schleifen, Schaben, Fräsen, Raspeln und Polieren, je nach Aufsatz in Holz, Metall oder Putz. Der Vorteil: Das Werkzeug taucht an Ort und Stelle in das Material ein, ohne dass Sie Platz zum Ausholen brauchen, und fräst oder schneidet bündig an einer Fläche entlang.

AufgabeMultitool geeignet?Alternative
Türzarge oder Sockel für den neuen Boden kürzenJa, mit Tauchsägeblatt; Zubehör mit Anschlag erleichtert den SchnittHandsäge
Alte Fugen zwischen Fliesen entfernenJa, mit Fugenfräser (von oben nach unten arbeiten)Fugenkratzer von Hand
Ausschnitt in Holz oder Gipskarton (zum Beispiel Revisionsöffnung)Ja, gut für Ecken und kleine ÖffnungenStichsäge
Silikon, Teppichkleber, Altlack abschabenJa, mit SchaberHandschaber, Heißluft (Vorsicht bei Altanstrichen)
Schleifen in Ecken und an KantenJa, mit Dreiecks-SchleifplatteExzenterschleifer oder Schwingschleifer
Nägel oder Schrauben bündig kappenJa, mit Bimetall- oder HartmetallblattMetallsäge, Winkelschleifer
Lange gerade Schnitte in PlattenNein, zu langsam und ungenauHandkreissäge
Schlitze oder Durchbrüche in BetonNeinFachbetrieb, Mauernutfräse

Typische Aufgaben im Haus: Beim Boden verlegen kürzen Sie die Zargen unten so, dass der neue Belag samt Dehnungsfuge darunter passt (Laminat verlegen). Beim Fliesen erneuern fräsen Sie alte Fugen auf, bevor Sie neu verfugen (Fliesen neu verfugen). Beim Küchenumbau helfen Ausschnitte und Anpassungen. Silikonreste und Kleber entfernen Sie mit dem Schaber; mehr dazu im Ratgeber Silikon entfernen.

Altbau und Schadstoffe: Fliesenkleber, Putz, Spachtelmassen und Bodenbeläge aus der Zeit vor 1993 können Asbest enthalten. Schleifen, Fräsen, Schaben oder Schneiden setzt Fasern frei. Klären Sie den Verdacht vorher durch eine Probe im Labor (Asbest im Altbau). Auch Altanstriche können Blei enthalten. Mehr dazu im Ratgeber Alte Anstriche entfernen. Bei Verdacht nicht fräsen oder schaben.

Die Werkzeugaufnahme entscheidet über Zubehör und Folgekosten

Die Aufnahme ist die Schnittstelle zwischen Gerät und Einsatzwerkzeug. Bei neueren Geräten finden Sie häufig Starlock und Starlock Plus; die Hersteller bieten diese Zubehörsysteme in zwei Leistungsklassen an und kennzeichnen kompatible Geräte. Ältere Geräte und viele preiswerte Zubehörsets verwenden andere Aufnahmen, etwa mit Sternmuster, oder Universalaufnahmen. Für sie gibt es teils Adapter, aber nicht immer ohne Spiel. Prüfen Sie vor dem Kauf zwei Dinge:

Rechnen Sie auch mit Folgekosten: Ein Set mit mehreren Sägeblättern, Schaber und Schleifplatte kostet etwa 20 bis 60 Euro, einzelne Spezialblätter (Fliese, Metall, Hartmetall) je 5 bis 20 Euro. Bei Fugenfräsern entscheidet der Besatz (zum Beispiel Hartmetall oder Diamant) über die Standzeit.

Netz oder Akku?

Bei den Geräten eines großen Herstellers für Heimwerker liegen Netzmodelle bei 220 bis 350 Watt Aufnahmeleistung, Akku-Modelle arbeiten mit 18 V. Der Datenvergleich zeigt: Ein Akku-Gerät wiegt ohne Akku rund 0,75 kg, ein Netzgerät etwa 1,2 kg. Der Akku ist oft nicht dabei („Solo“). Ein Netzgerät eignet sich, wenn Sie lange Fugen fräsen oder viel schleifen, weil kein Akku leer wird. Ein Akku-Gerät ist besser, wenn Sie in Räumen ohne Steckdose, auf der Leiter oder an der Zarge arbeiten und bereits Akkus derselben Plattform besitzen (Akku-Pflege, Akkuwerkzeug oder Kabelgerät). Eine Drehzahlregelung ist wichtig, denn Kunststoff und Metall brauchen niedrigere Frequenzen als Holz.

Vibration, Staub und Lärm

Multitools erzeugen Hand-Arm-Vibrationen. Für Beschäftigte legt die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung einen Auslösewert von 2,5 m/s² und einen Expositionsgrenzwert von 5 m/s² fest, jeweils auf acht Stunden bezogen. Heimwerker unterliegen dieser Verordnung nicht, doch hilft sie als Maßstab: Legen Sie bei längerem Arbeiten Pausen ein und lassen Sie das Gerät arbeiten, statt zu drücken. Prüfen Sie im Datenblatt, ob ein Schwingungswert (Gesamtwert) angegeben ist.

Beim Sägen, Fräsen und Schleifen entsteht Staub. Die BG BAU empfiehlt, ihn an der Entstehungsstelle abzusaugen und mindestens eine Halbmaske mit P2-Filtern zu tragen, wenn sich Staub nicht vermeiden lässt. Viele Multitools haben einen Absaugvorsatz oder einen Anschluss für einen Entstauber. Schutzbrille ist Pflicht; für Metall- und Fugenarbeiten kommt Gehörschutz dazu.

Sicher arbeiten

Was Sie sonst noch brauchen

Ein Multitool ersetzt weder Stichsäge noch Winkelschleifer. Wenn Sie nur selten kleine Zuschnitte brauchen, kann ein Handwerkzeug genügen. Ein Multitool lohnt sich vor allem dann, wenn Sie bündig sägen, in Ecken schleifen oder Reste abschaben müssen. Als erstes Elektrowerkzeug neben dem Akkuschrauber (Akkuschrauber wählen) ist es sinnvoll, wenn Sie Renovierungen planen. Weitere Grundausstattung finden Sie im Ratgeber Werkzeug-Grundausstattung.

Passend zum Bedarf

Netzgerät für Fugen und Schleifen

Worauf achten: 200–350 W, Drehzahlregelung, werkzeugloser Zubehörwechsel, Starlock-Aufnahme, Absaugvorsatz im Lieferumfang

Übliche Preisspanne: 40–120 €

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Akku-Gerät (Solo) für die vorhandene Plattform

Worauf achten: 18 V, bürstenloser Motor, Starlock-Aufnahme, geringes Gewicht, Akku und Ladegerät separat

Übliche Preisspanne: 70–170 €

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Startset Zubehör

Worauf achten: Tauchsägeblätter für Holz, Bimetall-Blätter für Metall, Schaber, Dreiecks-Schleifplatte mit Schleifblättern, passende Aufnahme

Übliche Preisspanne: 20–60 €

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Fliesenfugen entfernen

Worauf achten: Fugenfräser oder Fugenschneider mit Hartmetall- oder Diamantbesatz, für die Aufnahme Ihres Geräts, Absaugung beachten

Übliche Preisspanne: 8–25 €

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Häufige Fragen

Wofür braucht man ein Multitool im Haushalt?

Zum bündigen Kürzen von Zargen, Auskratzen von Fugen, Sägen kleiner Ausschnitte, Schleifen in Ecken und Abschaben von Klebstoff- oder Silikonresten. Für lange gerade Schnitte nehmen Sie Handkreissäge oder Stichsäge.

Was bedeutet Starlock beim Multitool?

Starlock ist ein Zubehörsystem für oszillierende Werkzeuge in zwei Leistungsklassen, Starlock und Starlock Plus. Ob Ihr Gerät das Zubehör aufnimmt, steht im Datenblatt. Ältere Geräte nutzen andere Aufnahmen.

Ist ein Akku-Multitool besser als ein Netzgerät?

Nicht grundsätzlich. Das Akku-Gerät ist beweglicher und leichter (rund 0,75 kg ohne Akku bei einem Datenblatt-Beispiel), das Netzgerät hat mehr Dauerleistung und kein Akku-Problem. Entscheidend ist, ob Sie schon Akkus der Plattform besitzen.

Kann ich mit dem Multitool Fliesenfugen im Altbau entfernen?

Nur, wenn kein Asbestverdacht besteht. Fliesenkleber und Fugenmassen aus der Zeit vor 1993 können Asbest enthalten. Lassen Sie den Verdacht vorher abklären, bevor Sie fräsen.

Quellen

  1. Bosch DIY: Multifunktionswerkzeuge (Oszillationswinkel 2,8°, Schwingzahlen, Starlock und Starlock Plus, 220–350 W)
  2. Herstellerdatenblatt Multitool 250 W: 1,2 kg, 15.000–20.000 min⁻¹, Staubabsaugung (Bosch DIY)
  3. Herstellerdatenblatt Akku-Multitool 18 V: 0,75 kg, ohne Akku, Starlock-kompatibel (Bosch DIY)
  4. § 9 Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung: Auslösewert 2,5 m/s², Grenzwert 5 m/s²
  5. BG BAU: Staubarm arbeiten – Absaugen an der Entstehungsstelle, P2
  6. toom: Fliesenfugen erneuern in 7 einfachen Schritten (Multifunktionswerkzeug mit Fräsaufsatz)
  7. Verbraucherzentrale: Asbest – gefährlich und immer noch aktuell (Verbot 1993)

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