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Ratgeber

Renovierung planen: In welcher Reihenfolge arbeiten Sie?

Aktualisiert am

Erst Schadstoffe klären, dann Rückbau, Fachbetriebe, Putz, Wände, Boden und zuletzt Leisten und Silikon. So planen Sie Arbeitsschritte, Trocknungszeiten und Termine ohne Doppelarbeit.

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Die Grundregel: von grob nach fein

Jede Arbeit, die Staub, Dreck oder Feuchte erzeugt, kommt vor den Arbeiten, die davon Schaden nehmen. Das heißt: Abbruch vor Putz, Putz vor Streichen, Streichen vor Bodenbelag, Boden vor Leisten. Zusätzlich arbeiten Sie im Raum von oben nach unten, weil Staub und Tropfen nach unten fallen. Wer die Reihenfolge verletzt, muss meist Teile nachbessern, zum Beispiel einen frisch verlegten Boden von Farbspritzern befreien.

Die Reihenfolge im Überblick

SchrittArbeitWarum jetztWer
1Bestand prüfen: Baujahr, Schadstoffverdacht, Feuchte, LeitungenEntscheidet, was Sie selbst tun dürfenSie, bei Verdacht Sachverständige
2Rückbau: Tapete, alter Belag, LeistenErzeugt Schmutz, gibt den Untergrund freiSie, außer bei Asbestverdacht
3Elektro, Sanitär, HeizungLeitungen liegen vor dem VerputzenFachbetrieb (Elektro nur Installationsunternehmen)
4Putz, Trockenbau, SpachtelnNass und staubig, vor jedem AnstrichSie oder Betrieb
5Estrich oder Ausgleichsmasse; Bad: Abdichtung und FliesenMüssen trocknen, bevor Beläge folgenSie oder Betrieb
6Decke, dann Wände streichen oder tapezierenTropfen und Rollenspritzer fallen nach untenSie
7BodenbelagEmpfindliche Beläge erst, wenn nichts mehr tropftSie oder Betrieb
8Sockelleisten, Türen kürzen, Silikon, ArmaturenAbschlussarbeiten, die Fugen sichtbar machenSie
9Möbel, Lampen, Vorhänge, ReinigungErst wenn alles trocken istSie, Lampenanschluss durch Elektrofachkraft

Schritt 1 und 2: Bestand prüfen und zurückbauen

Bevor Sie etwas entfernen, klären Sie das Baujahr. In Gebäuden mit Baubeginn vor dem 31. Oktober 1993 können Fliesenkleber, Putze und Spachtelmassen Asbest enthalten; die Verbraucherzentrale rät dort zu einer Erkundung vor der Renovierung. Planen Sie den Staub von Anfang an ein: Die BG BAU empfiehlt, Staub an der Quelle abzusaugen, mit Bau-Entstaubern der Klasse M zu reinigen und nicht zu kehren. Bei Rückbau-Arbeiten begrenzen Staubschutztüren, wie weit sich der Staub in der Wohnung verteilt. Details zu Altbauten finden Sie im Ratgeber Altbau renovieren: Was zuerst?

Schritt 3: Fachbetriebe vor Putz und Fliesen

Alles, was in der Wand liegt, gehört vor den Putz oder die Platten. Arbeiten an der Elektroanlage dürfen nach § 13 Abs. 2 NAV nur Netzbetreiber oder ein eingetragenes Installationsunternehmen ausführen. Wasser- und Heizungsleitungen übernimmt der SHK-Betrieb. Legen Sie diese Termine früh, denn Betriebe haben Vorlaufzeit. Holen Sie dazu zwei bis drei Angebote ein; die Checkliste steht im Ratgeber Handwerkerangebote prüfen.

Schritt 4 und 5: Untergrund, Estrich, Bad

Nach Putz und Spachteln folgt der Anstrich. Saugt die Wand oder kreidet sie, grundieren Sie einmal; zu viel Tiefgrund bildet eine Trennschicht. Beim Boden gilt: Neuer Estrich muss belegreif sein. Der EPLF-Leitfaden nennt für Laminat Restfeuchten von unter 2,0 CM-% bei Zementestrich und unter 0,5 CM-% bei Calciumsulfatestrich. Prüfen Sie das mit einer CM-Messung, nicht nach Gefühl; mehr dazu im Ratgeber Ist der Estrich belegreif?

Im Bad kommt die Abdichtung vor den Fliesen. Nach der Abdichtungsnorm DIN 18534 gehört in bodengleichen Duschen die Verbundabdichtung unter den Belag. Die Wasserbelastung bestimmt die Anforderungen: Bodengleiche Duschen gelten als hoch beansprucht (Klasse W2-I), dort sind Gipsplatten als Untergrund nicht zulässig. Details im Ratgeber Abdichtung im Bad nach DIN 18534. Das Silikon kommt zuletzt, nachdem Fliesen verfugt sind, siehe Silikonfuge erneuern.

Schritt 6 bis 8: Wände, Boden, Abschluss

Streichen Sie die Decke zuerst, dann die Wände, und arbeiten Sie nass in nass. Laut einem Technischen Merkblatt für Innenfarbe ist sie nach 4 bis 6 Stunden überstreichbar und wird ab 5 °C verarbeitet. Wann der Boden folgt, hängt vom Belag ab. Schmutzende Beläge und Arbeiten wie Fliesen oder Schleifen kommen vor dem Streichen. Empfindliche Beläge wie Laminat, Vinyl und Teppich kommen nach dem Streichen. Weil Laminatpakete laut EPLF mindestens 48 Stunden im Raum akklimatisieren müssen (bei Klick-Vinyl nennt sanier.de ebenfalls etwa 48 Stunden), legen Sie sie schon während der Streicharbeiten hinein. Raumklima beim Verlegen und drei Tage danach laut EPLF: Boden mindestens 15 °C, Luft mindestens 18 °C, relative Luftfeuchte 40 bis 75 %. Zum Schluss folgen Sockelleisten, deren Fuge zur Wand die Randfuge verdeckt, und das Kürzen der Türen (Zimmertür kürzen).

Beispiel: Zweizimmerwohnung in vier Wochenenden

  1. Wochenende 1: Bestand prüfen, Tapeten und alte Beläge entfernen, Möbel in einen Raum stellen, Löcher spachteln.
  2. Wochenende 2: Spachtelstellen schleifen, grundieren, Decken und Wände streichen (erster Anstrich).
  3. Wochenende 3: zweiter Anstrich, Bodenpakete akklimatisieren, Untergrund ausgleichen, Boden verlegen.
  4. Wochenende 4: Leisten, Türen, Silikon, Reinigung, Möbel zurück.

Rechnen Sie Reserven ein. Die Verbraucherzentrale nennt 15 bis 20 Prozent Mehrkosten als Grenze, ab der ein Betrieb Sie sofort informieren muss. Für eigene Renovierungen ist ein Puffer in dieser Größenordnung bei Zeit und Budget eine sinnvolle Faustregel; sie ist Ihre Annahme, keine Norm.

Häufige Fehler

Passend zum Bedarf

Staub aus dem Wohnbereich fernhalten (Rückbau, Schleifen)

Worauf achten: Staubschutztür mit Reißverschluss, selbstklebend, ca. 2,2 m hoch; Abdeckvlies für die Wege

Übliche Preisspanne: 8–25 €

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Staub direkt absaugen statt kehren

Worauf achten: Bau- oder Werkstattsauger Staubklasse M mit Schlauch passend zum Werkzeug, Auffangbeutel

Übliche Preisspanne: 90–250 €

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Boden und Möbel vor Farbe schützen

Worauf achten: Malervlies mit rutschfester Unterseite, mindestens 1 m breit, Maskierfolie mit Krepp

Übliche Preisspanne: 12–40 €

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Häufige Fragen

Streiche ich zuerst die Wände oder lege ich zuerst den Boden?

Bei Laminat, Vinyl oder Teppich zuerst die Wände, damit keine Farbe auf den Belag tropft. Bei Fliesen, Parkett schleifen und Spachtelarbeiten zuerst der Boden, weil dabei Staub und Schmutz entstehen. Streichen Sie dann nach dem Schleifen und Reinigen.

Wie lange muss Farbe trocknen, bevor ich den zweiten Anstrich auftrage?

Das steht im Technischen Merkblatt. Bei vielen Innenfarben sind es 4 bis 6 Stunden bei 20 °C. Bei Kälte oder hoher Luftfeuchte dauert es länger. Unter 5 °C sollten Sie nicht streichen.

Wann kommt das Silikon im Bad?

Zuletzt, nach dem Verfugen und nach dem Streichen der angrenzenden Flächen. Die Fugen dazwischen sind Wartungsfugen und werden mit Silikon abgedichtet, siehe Ratgeber Wartungsfuge.

Quellen

  1. Verbraucherzentrale: Asbest – gefährlich und immer noch aktuell (Verbot 31.10.1993, Fundorte, Fachfirmen, GefStoffV 12/2024)
  2. BG BAU: Staubarm arbeiten, gesund bleiben (absaugen an der Quelle, Staubklasse M, nicht kehren, mindestens P2)
  3. Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) § 13: Elektroanlage, Arbeiten nur durch Installationsunternehmen
  4. EPLF Technisches Merkblatt: Verlegung von Laminatböden (Holzdielen als Untergrund, 48 h, Randabstand 8–12 mm, CM-Werte, Ebenheit)
  5. Weber: Abdichtungsnorm DIN 18534 (Wassereinwirkungsklassen W0-I bis W3-I, Verbundabdichtung unter Fliesen)
  6. Alpina Farben: Grundwissen Grundierung (Klebeband-, Wisch- und Benetzungsprobe, einmal grundieren)
  7. Schöner Wohnen Farbe: Wände richtig streichen (Decke zuerst, nass in nass, Klebeband abziehen)
  8. Technisches Merkblatt Innenfarbe: überstreichbar nach 4–6 Stunden, Verarbeitung ab 5 °C (Alpina Farben)
  9. Verbraucherzentrale: Handwerker – Was bei einem Auftrag zu beachten ist (Angebote, Mehrkosten ab 15–20 %, Abnahme, Gewährleistung)

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