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Ratgeber

Risse in der Wand: harmlos oder Fall für den Fachmann?

Aktualisiert am

Haarrisse, Putzrisse, Fugenrisse im Trockenbau und Setzrisse: So unterscheiden Sie sie, beobachten Risse mit Gipsmarke und Foto und erkennen, wann ein Sachverständiger kommen muss.

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Rissarten erkennen

Nicht jeder Riss bedeutet ein Problem am Gebäude. Viele Risse liegen nur im Putz oder in der Spachtelmasse. Die wichtigsten Arten:

ArtSo sieht er ausMögliche UrsacheEinordnung
Haarrisssehr fein, höchstens 0,2 mm breitTrocknung des Putzes oder der Farbe, kleine Spannungenin der Regel harmlos
Putz- oder SpannungsrissNetz feiner Risse oder einzelne Risse im Putzzu schnelles Trocknen, zu steifer Putz, Heizenmeist nur ein optisches Problem
Fugenriss im Trockenbauentlang von Plattenstößen und Anschlüssenfehlender Bewehrungsstreifen, Bewegung, zu dünne Spachtelungmeist reparierbar, Ursache klären
Setzrissunregelmäßig, oft durch das gesamte Mauerwerk, zum Rissende breiterungleichmäßige Setzung des Baugrundsbeobachten, bei Wachstum Sachverständigen holen

Beim Putz gilt: Je höher die Druckfestigkeit, desto spröder der Putz und desto größer die Rissgefahr im trockenen Zustand. Der Zementanteil macht Kalkzementputz robust, aber auch anfälliger für Spannungsrisse. Schnelles Aufheizen oder Trocknen erzeugt Spannungen und Risse.

Messen und beobachten

Der wichtigste Schritt ist, den Riss über Wochen zu beobachten. So erkennen Sie, ob er „arbeitet“, also breiter wird.

Für die Beurteilung nennen Fachleute: Rissbreite, Risstiefe, Verlauf und Verteilung, Rissversatz parallel und senkrecht zur Oberfläche, Rissalter und zu erwartende Bewegungen. Notieren Sie das alles, es hilft bei der Besichtigung. Neubauten setzen sich noch in den ersten sieben Jahren; in dieser Zeit entstehen häufiger feine Risse.

Wann ein Sachverständiger kommen muss

Wenn der Riss wächst oder andere Umstände auf einen Baumangel hindeuten, ziehen Sie einen Bausachverständigen hinzu. Typische Gründe: ein Riss, der sich innerhalb weniger Wochen verbreitert; ein Versatz, bei dem eine Rissseite aus der Wandfläche heraustritt; ein Riss, der sich durch die ganze Wand oder mehrere Räume zieht; Risse nach Veränderungen im Umfeld wie Hochwasser, Unterspülung oder verändertem Grundwasserspiegel. Wasserflecken am Riss weisen auf eine Leckage oder Feuchtigkeit hin, siehe Feuchte Wand: Ursachen.

Keine Statik-Diagnose per Ratgeber. Ob ein Riss die Standsicherheit betrifft, kann nur eine Fachperson am Objekt beurteilen. Das gilt vor allem bei tragenden Wänden. Reißt eine tragende Wand, lassen Sie sie prüfen, bevor Sie spachteln.

In der Mietwohnung melden Sie Risse dem Vermieter, am besten schriftlich mit Foto und Datum. Sanieren Sie nicht eigenmächtig. Rechtliche Fragen klärt ein Mieterverein.

Harmlose Risse selbst sanieren

Nur wenn nachweislich nichts mehr arbeitet, sind kleine Risse mit geringem Aufwand zu beseitigen. Die Methode für Risse im Innenputz, wie sie ein Ratgeberportal beschreibt: Riss auskratzen, mit Acryl verfüllen, glätten, mit selbstklebendem Glasfaser-Anti-Rissband überkleben und dann verputzen, tapezieren oder streichen. Das dauerelastische Acryl nimmt kleine Bewegungen auf.

Bei Fugenrissen im Trockenbau öffnen Sie die Fuge leicht, spachteln mit Bewehrungsstreifen neu und klären die Ursache. Bewegen sich die Fugen um 2 mm oder mehr, ist laut Herstellerangaben ein Trenn- oder Bewehrungsstreifen erforderlich. Haarrisse in Anschlussbereichen gelten nach VOB/C als zulässig; Risse in den Stoßfugen sprechen Sie dagegen beim ausführenden Handwerker an. Wie Sie sauber spachteln, zeigt das Projekt Gipskarton spachteln, kleine Putzschäden beschreibt Putz ausbessern.

Altbau: erst prüfen, dann öffnen

Im Altbau sind Risse häufiger, und der Putz ist oft älter als 1993. Putze, Spachtelmassen und Fliesenkleber aus der Zeit vor dem 31. Oktober 1993 können Asbest enthalten. Öffnen, Abschleifen oder Abstemmen solcher Flächen ist Sache von Fachfirmen. Lassen Sie im Zweifel eine Probe analysieren, bevor Sie einen Riss aufstemmen (Asbest im Altbau erkennen).

Häufige Fehler

Passend zum Bedarf

Riss beobachten

Worauf achten: Gipsmarken oder Rissmonitor mit Skala zum Aufkleben, dazu Maßband und Folienstift

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Kleiner, ruhiger Riss im Innenputz

Worauf achten: überstreichbares Acryl für innen und selbstklebendes Glasfaser-Anti-Rissband

Übliche Preisspanne: 6–16 €

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Fugenriss im Trockenbau

Worauf achten: Fugenspachtel auf Gipsbasis, Papier- oder Glasfaser-Bewehrungsstreifen

Übliche Preisspanne: 12–28 €

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Oberfläche nach der Reparatur

Worauf achten: Feinspachtel für innen, Tiefgrund, Farbe passend zur Wand

Übliche Preisspanne: 15–45 €

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Häufige Fragen

Ab welcher Breite ist ein Riss in der Wand gefährlich?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Haarrisse bis etwa 0,2 mm gelten in der Regel als harmlos. Entscheidend sind Verlauf, Tiefe, Versatz und vor allem, ob der Riss wächst. Bei Zweifeln holen Sie einen Bausachverständigen.

Wie erkenne ich, ob ein Riss noch arbeitet?

Markieren Sie Anfang und Ende mit Datum, fotografieren Sie ihn in Abständen und kleben Sie eine Gipsmarke über den Riss. Reißt die Marke oder wächst der Riss über die Markierung, bewegt er sich.

Sind Risse im Neubau normal?

Feine Risse kommen vor. Neubauten setzen sich noch in den ersten sieben Jahren. Dokumentieren Sie Risse mit Datum und Foto und sprechen Sie sie beim Bauträger an, wenn sie wachsen oder breiter werden.

Kann ich einen Riss einfach überstreichen?

Ein Haarriss, der ruhig ist, lässt sich mit Spachtel und Farbe schließen. Ein arbeitender Riss öffnet sich wieder. Dafür gibt es elastische Lösungen, aber erst, wenn die Ursache geklärt ist.

Quellen

  1. sanier.de: Setzrisse (Haarrisse bis 0,2 mm, Rissbeobachtung mit Gipsmarke, Sanierung innen)
  2. IGG Merkblatt 6: Vorbehandlung von Trockenbauflächen aus Gipsplatten (Grundierung vor Anstrich und Tapete)
  3. Siniat: Mit oder ohne Bewehrungsstreifen verspachteln? (Papier- und Glasfaserstreifen, Fugenbewegung)
  4. Caparol: Putz – der vielseitige Helfer (Putzarten, Reparatur, Schichtdicken, Trocknung)
  5. Verbraucherzentrale: Asbest – gefährlich und immer noch aktuell (Verbot seit 31.10.1993, Fundorte, Regeln für Heimwerker)

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